
Rückenschmerz und die Ursachen
Was hilft bei Rückenschmerz? Fast die Hälfte der Bevölkerung in den westlichen Industrieländer berichtet über andauernde und wiederkehrende Rückenschmerz. 80 Prozent der Menschen geben an, in den letzten zwei Jahren unter Rückenschmerz gelitten zu haben. Andauernde Rückenschmerz sind neben Herzerkrankungen der häufigste Grund für Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung.
Wie entstehen Rückenschmerz?
Rückenschmerz haben - von seltenen Ausnahmen abgesehen - immer mit der Wirbelsäule zu tun. Die Natur hat die Wirbelsäule ursprünglich für das Laufen auf vier Beinen geschaffen. Die Last des Rumpfes, welche sie tragen muss, hängt bei fast allen Säugetieren nach unten. Als unsere frühmenschlichen Vorfahren begannen, sich aufzurichten, verschob sich die Last in eine völlig andere Lage.
Die Wirbelsäule musste sich an eine Belastungssituation anpassen, für die sie nicht besonders gut eingerichtet war. Alle beteiligten Muskeln, Bänder, Bandscheiben, Wirbelgelenke und Nervenstrukturen waren dieser Veränderung unterworfen. Dabei hat sich die Wirbelsäule ein unglaublich hohes Maß an Selbstheilungskraft zugelegt. Jeder von uns hat schon einmal Rückenschmerz gehabt. Und bei nahezu jedem sind diese auch ohne Behandlung wieder verschwunden. Doch oft führen Fehlstellungen, einseitige Belastungen oder altersbedingter Verschleiß zu dauerhaften Beschwerden, die behandelt werden müssen.
Wo tut es weh?
Die Wirbelsäule ist in drei Abschnitte unterteilt: Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule. In jedem Abschnitt gibt es andere typische Störungen, jeweils mit einer besonderen Schmerzcharakteristik.
Schmerzen Halswirbelsäule
Die Halswirbelsäule muss das geringste Gewicht tragen, hat dafür aber den größten Bewegungsumfang. Die häufigste Störung in diesem Abschnitt sind Blockaden ihrer Wirbelgelenke.
Schmerzen Lendenwirbelsäule
Im untersten Abschnitt der Wirbelsäule, treten mit Abstand die meisten Rückenschmerz auf. Die Lendenwirbelsäule trägt das gesamte Gewicht des Rumpfes. Die Wirbelkörper, die diese Last aufnehmen, sind aber im Vergleich zu den anderen Wirbelsäulenabschnitten klein. Die Wirbelgelenke der Lendenwirbelsäule werden im aufrechten Gang enorm belastet. Die Bandscheiben, die als Puffer und Federung dienen, verlieren jeden Tag einen Teil der Flüssigkeit, die sie enthalten und schrumpfen. Über Nacht, im Liegen, wird diese Flüssigkeit zwar wieder aufgefüllt. Doch mit fortschreitendem Alter lässt das Ausmaß dieses 'Wiederauffüllens' nach, die Bandscheiben schrumpfen dauerhaft.
Das führt dazu, dass die Muskelspannung nachlässt. Die Lendenwirbelsäule wölbt sich nach vorn, der Hohlrücken wird ausgeprägter und vermehrt zusätzlich die Druckbelastung. Hier entstehen tiefsitzende Rückenschmerz, die gürtelförmig ausstrahlen können.
Im Bereich der Lendenwirbelsäule finden zudem die Bewegungen statt, die vom Rumpf in die Beine übergehen. Daran sind Muskelzüge wie der Hüftbeuger oder die sogenannten Adduktoren (Anziehmuskeln) beteiligt. Deshalb müssen bei der Untersuchung auch das Becken und die Beine genau betrachtet werden.
Die vielfältigen Belastungen können mit der Zeit auch an den Bandscheiben zu dauerhaften Schäden führen. Hier ist im Lendenwirbelsäulenbereich insbesondere der Bandscheibenvorfall zu nennen. Dabei drückt ein Teil der Bandscheibe auf einen der großen Nervenstränge der Wirbelsäule, was neben Rückenschmerz auch oft typische ausstrahlende Beinschmerzen verursacht.
Ein lange Zeit nicht erkannte Ursache für Rückenschmerz ist der sogenannte diskogene Schmerz. Er entsteht, wenn Gefäßen und Schmerzfasern in das Bandscheibengewebe hineinwachsen. Druckabhängige Rückenschmerz sind die Folge.
Zusammengefasst: Die Ursachen für Rückenschmerz sind so zahlreich wie komplex. Meist sind sogenannte degenerative, also verschleißbedingte Veränderungen an der Wirbelsäule die Ursachen.
Die häufigsten Erkrankungen an der Wirbelsäule
- Abnutzung (Arthrose) der Wirbelgelenke (Facettengelenksarthrose)
- Vorwölbung (Protrusion) der Bandscheibe
- Bandscheibenvorfall (Discusprolaps)
- Einengung der Nervenaustrittslöcher (Foraminalstenosen)
- Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose)
- Bandscheibenschmerz (Diskogener Schmerz)
- Knochenschwund (Osteoporose) und Wirbelkörperbruch
- Bandscheibenverschleiß (Osteochondrose)
- Wirbelgleiten (Spondylolithesis)
- Diskogener Schmerz
Alle diese Ursachen für Rückenbeschwerden können einzeln oder in Kombination auftreten. Manche können sehr komplexe Schmerzensbilder auslösen, bei denen gleichzeitig Rückenschmerz und Bein-, Rumpf, oder Brustschmerzen auftreten.
Risikofaktoren
Die Wahrscheinlichkeit, ernsthafte Rückenbeschwerden zu bekommen, wird von mehreren Faktoren beeinflusst.
Familiäre Veranlagung, Zwangshaltungen, monotone, ständig wiederholte Bewegungen und Übergewicht können eine Rolle spielen. Bewegungsmangel ist fast immer beteiligt, denn die Wirbelsäule wird von der Rücken- und Bauchmuskulatur gestützt. Wenn diese Muskelgruppen zu schwach sind, sind Rückenschmerz kaum zu vermeiden.
Wie findet man die richtige Behandlung?
Zunächst müssen die in Frage kommenden Ursachen untersucht und unterschieden werden (Differentialdiagnostik). Dies beginnt mit einer eingehenden fachorthopädischen Untersuchung. Röntgenbilder, Computertomographie und Kernspintomographie (MRT) können eingesetzt werden, um das Bild zu vervollständigen. Im Einzelfall kann auch eine neurologische Untersuchung erforderlich sein. Begleiterkrankungen - zum Beispiel rheumatische oder innere Erkrankungen - sollten ebenfalls in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden.
Die richtige Behandlung wird dann individuell, nach den Bedürfnissen des einzelnen Patienten und in Absprache mit ihm festgelegt. In den meisten Fällen kann die Behandlung konservativ erfolgen, etwa durch Schmerztherapie, Physiotherapie, Akupunktur oder eine orthopädietechnische Versorgung. Wenn die konservative Behandlung die Schäden nicht mehr beheben kann, stehen bewährte invasive und operative Verfahren zur Verfügung:
- Wirbelsäuleninfiltration
- Interventionelle Schmerztherapie
- Thermokoagulation nach Ray
- Nucleoplastie
- Disc-FX
- Schmerzkatheter nach Racz
- Interspinaler Spreizer (X Stop, Maxx-Spine, Coflex)
- Vesselplastie
- Endoskopische Nukleotomie
- Endoskopische Wirbelkanaldekompression
- Bandscheibentransplantationen (ADCT)

